Privatnutzung von Elektro- oder Hybridfahrzeugen

Geschrieben am 3. Dezember 2018

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Der Bundesrat hat am 23. November 2018 dem "Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften (= Jahressteuergesetz 2018)" zugestimmt.

Insbesondere folgende Steueränderung ist ab 2019 aufgrund dieses Gesetzes von Unternehmern zu beachten: Nutzt ein Arbeitnehmer einen Elektro- oder Hybrid-Dienstwagen, der zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2021 gekauft wird, muss der geldwerte Vorteil für die Privatnutzung nur mit 0,5 Prozent des inländischen Bruttolistenpreises lohnversteuert werden.

Grundsätzlich berechnet sich auch bei Elektrofahrzeugen (bzw. Hybridfahrzeugen) der Sachbezug aus der Gestellung eines Dienstwagens an einen Arbeitnehmer bzw. aus der Privatnutzung des Unternehmers entweder nach der

  • 1%-Regelung oder
  • der Fahrtenbuchmethode.


Bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs oder eines extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugs als Firmenwagen muss jedoch mit einem erheblich höheren Preis als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor gerechnet werden. Für die Ermittlung der Kosten, die auf die private Nutzung, auf die Fahrten zum Betrieb bzw. zur ersten Betriebsstätte und auf Familienheimfahrten entfallen, wurde daher eine Sonderregelung für Elektrofahrzeuge und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge geschaffen.

Nunmehr muss zwischen 2 Anschaffungszeiträumen unterschieden werden:

1. Zeitraum: Anschaffungen vor dem 1.1.2019 und im Zeitraum zwischen 1.1.2022 bis 31.12.2022;
2. Zeitraum: Anschaffungen nach dem 31.12 2018 und vor dem 1.1.2022.

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Regelung für vor dem 1.1.2019 und im Zeitraum vom 1.1.2022 bis 31.12.2022 – bestehende Regelung

Für Anschaffungen vor dem 1.1.2019 und im Zeitraum vom 1.1.2022 bis 31.12.2022 gilt: Bei der privaten Nutzung, den Fahrten zum Betrieb bzw. der ersten Tätigkeitsstätte und Familienheimfahrten werden nicht die tatsächlichen Anschaffungskosten bzw. nicht der tatsächliche Bruttolistenpreis angesetzt. Mit der gesetzlichen Regelung in § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG soll erreicht werden, dass die Besteuerung der privaten Nutzung eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs in etwa mit dem Nutzungsanteil bei einem Verbrennungsmotor vergleichbar ist. Dieser Ausgleich ist pauschal zu ermitteln. Das heißt, der Bruttolistenpreis, der bei der 1 %-Methode zugrunde gelegt wird, ist pauschal um die Kosten für das Batteriesystem zu mindern. Dabei wird der Bruttolistenpreis für Elektro- oder Hybridelektrofahrzeuge, die bis zum 31.12.2013 angeschafft wurden, in Höhe von 500 EUR pro kWh Speicherkapazität der Batterie gemindert. Die Minderung pro Kraftfahrzeug darf allerdings 10.000 EUR nicht übersteigen (Höchstbetrag).

Bei Anschaffungen in den Jahren ab 2014 mindert sich der Wert jeweils um 50 EUR (bei Anschaffungen im Jahr 2018 beträgt die Minderung somit 500 EUR - 250 EUR = 250 EUR pro kWh Speicherkapazität). Außerdem mindert sich der Höchstbetrag von 10.000 EUR für Kraftfahrzeuge, die in den Folgejahren angeschafft werden, um jährlich 500 EUR (für Anschaffungen in 2018 beträgt der Höchstbetrag somit 10.000 EUR – 2.500 EUR = 7.500 EUR). Bei der 1 %-Regelung ist der Bruttolistenpreis auf volle Hundert Euro abzurunden. Diese Abrundung ist bei Elektrofahrzeugen und extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen erst nach Abzug des Abschlags vorzunehmen. Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick.

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Wichtig ist dabei, dass für umsatzsteuerliche Zwecke keine Kürzung für die Aufwendungen vorzunehmen ist, die auf das Batteriesystem von Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen entfallen.

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Regelung für den Zeitraum nach dem 31.12 2018 und vor dem 1.1.2022 – gesetzliche Neuregelung

Für Anschaffungen nach dem 31.12 2018 und vor dem 1.1.2022 gilt: Die private Nutzung von Elektrofahrzeugen und Hybridfahrzeugen wurde in § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 2 EStG neu geregelt. Bei Elektrofahrzeugen oder extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen, die nach dem 31.12.2018 und vor dem 1.1.20122 angeschafft werden, wird bei der privaten Nutzung der Listenpreis dieser Kraftfahrzeuge bei der 1%-Regelung nur zur Hälfte angesetzt. Um Elektrofahrzeuge handelt es sich dabei, wenn

  • sie ausschließlich durch Elektromotoren angetrieben werden,
  • die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder
  • aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden.


Bei extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen muss das Fahrzeug die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 Nr. 1 oder 2 des Elektromobilitätsgesetzes erfüllen. Das bedeutet, dass diese Fahrzeuge nach der Neuregelung nur dann begünstigt sind, wenn

  • sie eine Kohlendioxidemission von höchstens 50 Gramm je gefahrenen Kilometer haben oder
  • deren Reichweite unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine mindestens 40 Kilometer beträgt.


Alternativ zur 1 %-Methode kann mittels Fahrtenbuchmethode die private Nutzung mit den Aufwendungen angesetzt werden, die auf die Privatfahrten entfallen. Voraussetzung ist allerdings, dass

  • die insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und
  • das Verhältnis der privaten zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch


nachgewiesen werden. Bei der Ermittlung der insgesamt entstandenen Aufwendungen sind die Anschaffungskosten für das Kraftfahrzeug (Abschreibung) oder vergleichbare Aufwendungen (z. B. Leasingrate oder Miete) nur zur Hälfte zu berücksichtigen.

Bei extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen ist das Fahrzeug auch hier nur begünstigt, wenn

  • es eine Kohlendioxidemission von höchstens 50 Gramm je gefahrenem Kilometer hat oder
  • seine Reichweite unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine mindestens 40 Kilometer beträgt.


Für Elektrofahrzeuge und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge, die nach dem 31.12.2018 und vor dem 1.1.2022 angeschafft werden, wird die private Nutzung somit gesetzlich reduziert. Halbiert werden nicht alle Kfz-Kosten, sondern nur die Abschreibung, der Leasingbetrag oder die Miete für das Elektrofahrzeug.

Bei der Anschaffung bis 31.12.2018 und im Jahr 2022 wird die Bemessungsgrundlage grundsätzlich nur gemindert, wenn die Kosten für das Batteriesystem im Listenpreis enthalten sind. Die Minderung unterbleibt, wenn das Batteriesystem nicht zusammen mit dem Fahrzeug angeschafft wurde. Das ist der Fall, wenn für das Batteriesystem ein zusätzliches Entgelt, z. B. in Form von Leasingraten, gezahlt wird. Die Kosten (Leasingraten), die für das Batteriesystem bezahlt werden, sind zwar als Betriebsausgaben abziehbar, werden aber ertragssteuerlich nicht in die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung einbezogen. Im Gegensatz dazu sind diese Kosten bei der Umsatzsteuer einzubeziehen.


Das Jahressteuergesetz hat aber noch weitere Steuererleichterungen im Sinne des Umweltschutzes erlassen. Darf ein Arbeitnehmer ab 1. Januar 2019 ein Dienstfahrrad auch privat nutzen, muss er keinen geldwerten Vorteil mehr versteuern, egal wie teuer das Fahrrad ist.

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Ein Beitrag von Rainer Trapp