Die Gefahren eines Wasenbesuchs und seine steuerrechtlichen Folgen

Geschrieben am 7. Oktober 2014

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Es ist früher Herbst – und bei uns im Schwäbischen damit Wasen-Zeit. Deutschlands schönstes Volksfest in dieser Jahreszeit. Der Wasen lockt wie immer Jung und Alt mit seinen Fahrgeschäften und Bierzelten, in denen gefeiert und getrunken wird.

In ähnlicher Feierlaune wähnte sich vermutlich eine Lehrerin, die im Rahmen einer Klassenfahrt allerdings in München das Frühlingsfest besuchte. Beim ausgiebigen Feiern und Schunkeln auf den Bierbänken kippte jedoch zu fortgeschrittener Stunde die Bank, auf der die Lehrerin und zwei Schülerinnen standen, um. Dadurch stürzte die Lehrerin zu Boden und zog sich eine Rückenverletzung zu, weshalb sie in ein Krankenhaus gebracht werden musste und mehrere Tage dienstunfähig war.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat nun zu Beginn des Jahres in einer Entscheidung (Az: 1 K 173/13) diesen Unfall als Dienstunfall anerkannt, da der Unfall sich „in Ausübung des Dienstes“ ereignet habe, da der Besuch des Frühlingsfestes und auch der Besuch des Bierzelts für die Lehrerin Teil ihrer Dienstaufgaben gewesen sei. So berge ein Bierzeltbesuch von größtenteils minderjährigen Schülern ungleich größere Gefahren als ein bloßer Spaziergang über das Festgelände. Auch das Steigen auf die Festzeltbank habe noch in einem engen natürlichen Zusammenhang mit den Dienstaufgaben der Klägerin gestanden. Es sei derzeit durchaus üblich und sozialadäquat, dass Besucher eines Bierzelts, in dem Livemusik dargeboten werde, kollektiv auf die Bänke stiegen und dort zur Musik tanzten.

Nun sind ganz allgemein Krankheitskosten eines Steuerpflichtigen unter anderem beruflich veranlasst bei einem Arbeitsunfall, Dienstunfall oder Unfall auf dem Weg zur Arbeit (BFH-Urteil vom 9.2.1962, VI 10/61 U). Somit sind die damit zusammenhängenden und ihnen als Steuerpflichtigen verbleibenden Aufwendungen grundsätzlich als Werbungskosten absetzbar.

Somit liegt es nahe, die mit einem solchen Unfall entstandenen Kosten als Werbungskosten anzusetzen mit dem Ziel, die Einkommensteuerlast zu mindern. Die Aussichten hierfür gestalten sich aber nach der neueren Rechtsprechung eher schlecht. So erging es einem Finanzbeamte, der mit seiner Einkommensteuererklärung Reisekosten für seine Teilnahme an zwei Fußballturnieren, dem "OFD Pokal" und dem "Deutschland Turnier der Finanzämter", geltend machte. Der Kläger erlitt während dieser Veranstaltung eine Verletzung, die sein Dienstherr auch als Dienstunfall anerkannt hatte. Der BFH versagte aber mit seiner Entscheidung vom 06.02.2012 (Az. VI-B-110/11) den Abzug der entstandenen Kosten als Werbungskosten. "Auch die Berücksichtigung als Dienstunfall führe nicht automatisch zur Annahme, dass die Aufwendungen Werbungskosten seien. Diese zweifelhafte dienstrechtliche Einordnung entfalte jedoch keine Tatbestandswirkung auf die steuerrechtliche Beurteilung."

Insofern: Passen Sie auf sich auf – auch auf dem Wasen!

Ein Beitrag von Rainer Trapp