Betriebsveranstaltungen: Ist die Grenzwerterhöhung von 110 € auf 150 € eine Mogelpackung des Gesetzgebers?

Geschrieben am 4. November 2014

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Das Jahresende naht und damit auch die Zeit der betrieblichen Weihnachtsfeiern. Immer wieder stellt sich für die Unternehmen die Frage, in welchem Rahmen die Kosten für diese Betriebsveranstaltungen steuerlich berücksichtigt werden können. Dies insbesondere dann, wenn ein größeres Fest geplant ist und/oder bereits eine betriebliche Veranstaltung wie z.B. ein Sommerfest oder ein Betriebsausflug stattgefunden hat.

Nach derzeitiger Rechtslage sind zwei Veranstaltungen pro Jahr begünstigt und müssen nicht als Arbeitslohn versteuert werden, wenn die Zuwendungen je Arbeitnehmer und Betriebsveranstaltung 110 € nicht übersteigen.

Nach Rechtsprechung und Finanzverwaltung gilt aber keineswegs der Grundsatz, dass in die Berechnung der 110 €-Freigrenze alle Aufwendungen einzubeziehen wären, die mit der Betriebsveranstaltung im Zusammenhang stehen, geteilt durch die Anzahl der teilnehmenden Arbeitnehmer. Vielmehr sind nur diejenigen Aufwendungen in die Berechnung einzubeziehen, an denen der Arbeitnehmer sich direkt "bereichern" konnte. So werden z.B. die Kosten für einen Eventmanager und Mietaufwendungen für den Veranstaltungsraum als nicht direkt zuordenbare Bereicherung des Arbeitnehmers angesehen und werden daher nicht in die Prüfung der 110 €-Freigrenze einbezogen. Zudem sind zur Zeit die ermittelten Gesamtkosten auf alle Teilnehmer nach Köpfen aufzuteilen - unabhängig davon, ob es sich um Familienangehörige oder Gäste handelt.

Das Bundesfinanzministerium veröffentlichte nun bereits Anfang September den Entwurf eines „Jahressteuergesetzes 2015”, in dem als wichtige Neuregelung im Bereich der Lohnsteuer die Erhöhung der Freigrenze für Betriebsveranstaltungen auf 150 EUR enthalten ist. Steuerfrei sollen dabei – wie bisher – maximal zwei Veranstaltungen pro Jahr bleiben.

Diese zunächst positiv klingende Nachricht hat aber einen entscheidenden Haken: Im Gegenzug zur Erhöhung der Freigrenze bei Betriebsveranstaltungen sind künftig alle Kosten rund um die Feier abgegolten. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob die Kosten einzelnen Mitarbeitern individuell zurechenbar sind oder ob es sich um einen rechnerischen Anteil an den Gemeinkosten der Betriebsveranstaltung handelt. In die neue 150-EUR-Freigrenze werden auch die Kosten für Begleitpersonen des Mitarbeiters, z.B. Ehegatten und Kinder, einbezogen. Das heißt, die Kosten, die auf den Arbeitnehmer, seinen Ehegatten/Lebensgefährten entfallen, dürfen insgesamt die 150 €-Grenze nicht überschreiten. Maßgebend ist hierbei der Bruttobetrag (einschließlich Umsatzsteuer).

Dies bedeutet, dass die Karten für die Betriebsveranstaltungen ab 2015 völlig neu gemischt werden und insbesondere bei Veranstaltungen, bei denen Angehörige mit eingeladen werden und/oder hohe Nebenkosten anfallen, künftig eine Steuerpflicht für den Mitarbeiter eintrifft.

Daher bitte im Vorfeld unbedingt Rücksprache mit Ihrem Steuerberater halten, um hier ggf. Auswegmöglichkeiten aus der Steuerpflicht zu finden.

Ein Beitrag von Rainer Trapp